Jüdische Geschichte in Nußloch
Jüdische Geschichte in Nußloch

Im Jahre 2008 konnte nach intensiver Recherche eine eigene Schrift herausgegeben werden über die jüdischen Familien, die in Nußloch gelebt haben. Diese Dokumentation „Wir erinnern uns“ greift das Leben Nußlocher Juden auf und basiert auf verschiedenen Veröffentlichungen, Berichten und Informationen von Zeitgenossen und deren Nachkommen. Im Mittelpunkt dieser Schrift und des Gedenkens steht die Erinnerung an die Menschen, die über lange Jahre in Nußloch heimisch waren, die aber im Dritten Reich zur Emigration gezwungen waren oder in Konzentrationslagern interniert und zum großen Teil getötet wurden.

Treffend auch für Heute die Zeilen  des Vorworts: „Die Arbeit der Erinnerung kann uns Zukunft eröffnen, die dann auch für Menschen anderer Religionen gilt, die in diesen Tagen oder in Zukunft bei uns Heimat suchen. Sie macht uns fähig zu einem offenen, versöhnlichen Umgang miteinander und zu einem beständigen interkulturellen Lernen.“

Seit 2009 steht im Park beim evangelischen Gemeindehaus das Mahnmal für die in Baden und aus Nußloch vertriebenen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die am 22.Oktober 1940 nach Gurs in Südfrankreich verschleppt wurden. Dieses immer noch währende ökumenische Jugendprojekt initiiert die Auseinandersetzung vor Ort mit der jüdischen Geschichte, in deren Zusammenhang die Gestaltung eines Mahnmals steht, das sowohl an dem jeweiligen Ort als auch mit einem Pendant an der zentralen Gedenkstätte in Neckarzimmern präsent ist.

 „Camp de Gurs“ war das größte Internierungslager, das 1939 in Südfrankreich am Fuße der Pyrenäen nahe der spanischen Grenze errichtet wurde. Ursprünglich für die Unterbringung von Soldaten der republikanischen Armee nach dem Ende des spanischen Bürgerkrieges vorgesehen, wurden bald unterschiedlichste Personengruppen aus politischen und rassistischen Gründen bis 1943 dort festgehalten. Insgesamt waren über 60.000 Menschen in Gurs interniert.

In jedem Jahr gibt es im November eine eigene Gedenkfeier, entweder in einer der beiden Kirchen oder am Mahnmal.

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Aktuelles

Fortsetzung des Berichtes zur

Neugestaltung des Mahnmals anlässlich des 80. Jahrestags der Vertreibung unserer jüdischen Mitbürger*innen nach Gurs

Um die Neugestaltung des Nußlocher Mahnmals zu realisieren, waren im Juli alle erforderlichen Rahmenbedingungen geschaffen: Ein Ort für das neue Mahnmal war im Nepomukpark gefunden, ein Kalksteinblock war aus dem Nußlocher Steinbruch zum Steinmetz geliefert worden und der Steinmetz Herr Wolf hatte die Arbeit übernommen.

Nun waren wieder die Jugendlichen gefragt. Es sollte ja „ihr“ Mahnmal werden. So trafen sich Aaliyah Munk, Janina Schindler, Jonna Großmann und Ronja Rupp an vier Nachmittagen im August in der Werkstatt von Herrn Wolf und begannen die zwei Steinblöcke zu bearbeiten. Zuerst musste die brüchige äußere Gesteinsschicht mit Hammer und Meißel abgeklopft werden. Es mussten Bohrlöcher in die Steine getrieben werden, um die Steine zu spalten. Für diese ungewohnte Tätigkeit brauchten die vier jungen Frauen viel Kraft und wechselten sich immer wieder ab. Sie hatten aber auch viel Spaß an diesem sehr besonderen Einsatz. Herr Wolf war mit Anleitung und guten Ideen stets dabei und achtete darauf, dass es keine Verletzungen gab.

Noch spannender wurde es, als uns eine Anfrage vom Förderverein Mahnmal erreichte: „Das Zentrum für Kommunikation unserer Landeskirche möchte einen Kurzfilm über das Mahnmal Projekt drehen und sucht deshalb noch Jugendliche, die gerade handwerklich an den Gedenksteinen arbeiten.“

Dazu waren die vier jungen Frauen gerne bereit und am 06. August besuchte das Filmteam der Landeskirche die Werkstatt. Es entstand ein sehr sehenswerter kleiner Film zu den Arbeiten der Jugendlichen am Nußlocher Mahnmal. Sie können ihn auf Youtube sehen unter dem Link: https://www.youtube.com/watch?v=KyW3zYtcQso 



Während Sie diesen Artikel lesen ist Herr Wolf vielleicht gerade dabei, dem Mahnmal den „letzten Schliff“ zu geben, denn für die feinen Gravurarbeiten brauchen wir natürlich seine geschulten Hände und künstlerischen Fähigkeiten.

Am 22. Oktober 2020 um 18 Uhr soll das Mahnmal dann im Nepomukpark an der Burgstraße feierlich eingeweiht werden. Seien Sie herzlich eingeladen zu dieser Feierstunde! Lassen Sie uns mit den Jugendlichen gemeinsam dafür sorgen, dass dieses Mahnmal uns erinnert an die Menschen, die damals gewaltsam aus ihrer Heimat deportiert wurden. Damit sich Geschehnisse wie im Oktober 1940 niemals mehr wiederholen. Es soll uns Ansporn sein, dass wir immer wieder aus unserer Geschichte lernen. Denn wir alle wollen in einem toleranten und friedlichen Deutschland und Nußloch ein lebenswertes Miteinander leben.

Die Mahnmal-Arbeitsgruppe

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Zur Finanzierung des Gedenksteines bitten wir um Spenden auf

das Konto der Evangelischen Kirchengemeinde Nußloch bei
der Volksbank Kraichgau eG, Konto-Nr.:  DE 50 6792 2200 0001 1200 00,
Verwendungszweck: „Mahnmal“

oder

das Konto der Röm.-Kath. Kirchengemeinde Leimen – Nußloch – Sandhausen
Sparkasse Heidelberg, Konto-Nr.:  DE82 6725 0020 0009 2444 76
Verwendungszweck: „Mahnmal“

Falls Sie eine Spendenbescheinigung möchten, geben Sie bitte auf dem Überweisungsformular Ihre Anschrift an.

Allen Spendern gilt schon im Voraus ein herzliches Vergelt’s Gott!


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Archiv-Dateien zum Herunterladen:

Termine

„Gedenke, vergiss nicht!“

Einladung zur Einweihung des Nußlocher Mahnmals

Im Frühjahr 2019 fand sich eine Gruppe von evangelischen, katholischen und jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zusammen, mit dem Ziel, das weitgehend zerstörte Nußlocher Mahnmal zur Erinnerung an die Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger im Jahr 1940 nach Gurs neu entstehen zu lassen. Inzwischen sind die Arbeiten an dem Gedenkstein für das neue Nußlocher Mahnmal und eines Duplikats für die zentrale Gedenkstätte in Neckarzimmern weitgehend abgeschlossen.  

Das Nußlocher Mahnmal wird am Donnerstag, den 22. Okt. um 18:00 Uhr –  80 Jahre nach der Deportation der jüdischen Mitbürger – am neuen Standort im Nepomuk-Park an der Burgstraße eingeweiht. Bei der Einweihungsfeier handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung. Jeder Interessent/jede Interessentin ist herzlich eingeladen. Das Pendant unseres Gedenksteins wird am 18. Okt. im Rahmen einer Gedenkfeier in der Gedächtnisstätte in Neckarzimmern enthüllt.

Wir freuen uns darauf, Sie bei der Einweihungsfeier begrüßen zu dürfen.

Evangelische und katholische Kirchengemeinde, in Kooperation mit der politischen Gemeinde Nußloch