Geschichte unserer Kirche
CHRONIK der evangelischen Kirchengemeinde Nußloch

1. Von der Reformation bis zur kurpfälzischen Kirchenteilung
Im Jahr 1556 wurde unter der Regierung des Kurfürsten Friedrich II. in der Kurpfalz die Reformation eingeführt und eine evangelische Kirchenordnung erlassen, nachdem schon zuvor, besonders in Heidel­berg, die evangelische Lehre immer mehr Boden gewonnen hatte. In jener Zeit wurde auch in der Nußlocher Kirche der evangelische Gottesdienst eingeführt. Der erste evangelische Pfarrer in Nußloch, der dem Namen nach bekannt ist, hieß Johann Ludwig Geusauf, 1589 erwähnt. Nach seinem Tode wirkte hier sein Sohn. Bis zum Beginn des 30jährigen Krieges wurde die ganze Pfalz‘ evangelisch. Während des Krieges, unter bayrischer Regierung, trat eine Änderung ein, aber gleich nach dem Friedensschluss 1648 wurde der frühere Zustand wiederhergestellt. 1650 wirkte an der Nußlocher Kirche der evangelische Pfarrer Würtz.
Das älteste Schriftstück, das bei den Nußlocher Kirchenbauakten im Generallandesarchiv in Karlsruhe aufbewahrt wird, ist ein Brief des damaligen evangelischen Pfarrers Johann Jakob Nabholtz, worin er im Jahre 1661 von der Nußlocher Kirche schreibt das sie Renovierungsbedürftig ist.
20 Jahre später berichtet der damalige evangelische Pfarrer Chr. Hoffmann von der Nußlocher Kirche, daß sie durch Kriegsunruhen (Verwüstung der Pfalz durch die Franzosen!) stark beschädigt sei und durch den Regen so gelitten habe, daß Einsturzgefahr bestehe. Danach wurde das Kirchendach durch den Zimmermann, Meister Hotz, erneuert. Aus jener Zeit stammt auch das älteste der uns erhaltenen Kirchenbücher, in dem Taufen, Trauungen und Beerdigungen eingetragen wurden.

2. Die Kurpfälzische Kirchenteilung
Das Jahr 1707 kann man als das Schicksalsjahr der evangelischen Gemeinde in Nußloch bezeichnen. In diesem Jahr verlor sie alles, was sie hatte. Wie kam es dazu?
1699 befahl der damalige Kurfürst, daß alle evangelischen Kirchen des Landes zugleich auch von den Katholiken benutzt werden sollten. Diese Anordnung führte zu mancherlei Konflikten. Damals wurde die Nußlocher Kirche auch der kleinen katholischen Gemeinde zur Mitbenutzung überlassen. Der katholische Pfarrer von Wiesloch, der zu jener Zeit die Nußlocher Katholiken mit betreute, beklagt sich 1702 in einem Brief an seine Behörde darüber, daß er alles, was zum Gottesdienst nötig ist, immer mühsam von Wiesloch nach Nußloch schleppen müsse, man solle doch Meßgewand, Altargeräte, Wachskerzen usw. für Nußloch anschaffen.
Da wurde im Jahre 1707 auf Befehl des Kurfürsten in der ganzen Pfalz die „Kirchenteilung“ durchgeführt. Die großen Kirchen in den Städten wurden durch eine Mauer geteilt, z. B. die Heiliggeistkirche in Heidelberg. In den Dörfern wurde gelost. Immer 7 Gemeinden mußten zusammen losen. Davon durften 5 ihre Kirchen behalten, 2 mußten sie an die Katholiken abtreten. Bei dieser Verlosung hatte die evangelische Gemeinde Nußloch Unglück. Und damit verlor sie alles: die Kirche, das Pfarrhaus, die Schule, die zur Pfarrei gehörigen Äcker und Wiesen. Völlig verarmt stand sie jetzt da, und das in einer Zeit, da infolge der schrecklichen Raubkriege die Pfalz sowieso verwüstet und ausgeplündert war. Sie galt nunmehr als „ausgefallene Gemeinde“. Von da an war die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Nußloch eine Geschichte bitterer Ent­behrungen und harter Opfer.
Es muß aber ausdrücklich betont werden, daß an diesen Ereignissen die hiesige katholische Gemeinde nicht schuld war, denn es handelte sich um Anordnungen des Kurfürsten und seiner Regierung.

3. Die Notkirche
Ein Jahr nach der „Kirchenteilung“, am 3. Oktober 1708, berichtete der evangelische Pfarrer Schill (Pfarrer in Wiesloch und Nußloch), daß die evangelische Gemeinde nach dem Verlust ihrer Kirche vorübergehend in der „Wormbsischen Kelter“ (heute Laurentiusheim) Gottesdienst halten mußte. Dieser Raum war „allenthalben offen und ohne Fenster“. Bald wurde ihr auch dies verboten und der Zugang ‚Verschlossen. Danach mußte sich die Gemeinde notgedrungen unter freiem Himmel versammeln. Da dies auf die Dauer nicht durchzuführen war, kam schließlich die evangelische Gemeinde in einer Kammer des Rathauses zusammen. Dieser Raum war aber so klein, daß nicht einmal die Hälfte der Gemeindeglieder unter­kommen konnte. Da entschloß sich die Gemeinde, Männer auszusenden, um für den Bau einer Kirche zu sammeln.
Noch im gleichen Jahre 1708 wurde von dem „ehrsamen Bürger und Ziegler“ Hans Jacob Astor ein Bauplatz samt Gartenstück gekauft. Dieser Platz lag in der, Kirchgasse“ und grenzte an den v. Bettendorff’schen Besitz. Aber noch sehr lange mußte die heimat­los gewordene Gemeinde warten, bis sie zu ihrem Gotteshaus kam. 1721 wurde ihr eine „Schüsselkollekte“ für den Kirchbau bewilligt. Endlich konnte ein schlichtes Kirchlein gebaut werden, das nach dem Bericht eines späteren Schultheißen einer Scheuer ähnlicher sah als einer Kirche. Zu einem Turm und Glocken reichte es natürlich nicht, zum Gottesdienst läutete das Rathausglöcklein.
Auch ein Pfarrhaus wurde bei der Kirche erstellt. Die längste Zeit wohnte darin der Pfarrer Friedrich Gebhard, der 19 Jahre hier wirkte, bis er nach Walldorf übersiedelte und dann von dort aus Nußloch mit bediente. Das hiesige Pfarrhaus wurde als Lehrerwohnung und als Schulhaus benutzt.
Seit dem Kirchen- und Pfarrhausbau hatte die Gemeinde eine drückende Schuldenlast zu tragen, sodaß sie Jahrzehnte hindurch aus den Sorgen nicht herauskam. Immer wieder mußte sie um Kol­lekten und Unterstützungen bitten. Am 25. Februar 1751 richteten die Gemeindeglieder einen Notschrei an die Behörde, es sei nun so weit, daß Kirche und Pfarrhaus meistbietend versteigert werden müßten, damit man die drängenden Gläubiger befriedigen könne! Die Kirchenbehörde griff ein, die Versteigerung wurde aufgeschoben, die Gemeinde erhielt eine Beihilfe von 800 Gulden.
Im nächsten Jahr mußte sie sich schon wieder mit einem Hilferuf an die Behörde wenden: In Nußloch herrscht bittere Not , die Kinder hungern, sie werden zum Betteln in Nachbardörfer geschickt. Die Gläubiger drängen auf Bezahlung der Schuld. Diesmal erhält die Gemeinde eine Beihilfe von 400 Gulden, die das Ärgste abwenden soll.
Schon nach wenigen Jahrzehnten reichte die Notkirche nicht mehr aus, sie war zu schwach gebaut, weil man zu sehr hatte sparen müssen. „Mit Lebensgefahr versammeln sie sich in ihrer äußerst baufälligen Kirche, die überdies auch noch viel zu klein für diese Gemeinde ist“, so heißt es in einer Bittschrift von 1792. Eine neue Kirche war dringend nötig, aber unsere arme Gemeinde mußte noch fast 20 Jahre in der baufälligen Kirche Gottesdienst halten, bis diese 1810 wegen allzu großer Gefahr von der Regierung geschlossen wurde.

4. Der Bau der lutherischen Kirche
Wenn bisher von der evangelischen Gemeinde die Rede war, so war damit die „reformierte“ Gemeinde gemeint, die 1810 schon 600 Seelen zählte. Daneben bestand aber schon seit längerer Zeit eine etwa 300 Seelen zählende „lutherische“ Gemeinde, die von Leimen aus versehen wurde. Von Raumnot arg bedrängt entschloß sich die lutherische Gemeinde zum Bau eines eigenen Kirchleins. Nachdem sie gesammelt hatte und durch auswärtige Kollekten unterstützt worden war, bemühte sie sich darum, einen Baumgarten in der Hauptstraße unmittelbar neben dem „protestantischen Kirchhof“ vor dem „Wieslocher Tor“ als Bauplatz zu bekommen (es dürfte unser heutiger Kinderschulplatz sein). Aber der damalige Eigentümer, der Schutzjude Salomon, wollte diesen Platz unter keinen Umständen hergeben. Schließlich kam man auf den Ausweg, die neue Kirche an der Gabelung der Sinsheimer Straße und der Loppengasse zu errichten. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten wurde in den Jahren 1783/84 an dieser Stelle ein schmuckes Kirchlein erbaut. 1797 konnten 2 kleine Glocken angeschafft werden. Sie kosteten 400 Gulden, der Gemeinderat steuerte 66 Gulden bei. Im Jahre 1817 beim Reformationsjubiläum zersprang während des Läutens eine Glocke, und die andere wurde beschädigt. Zum Neuguß half wiederum die Gemeinde Nußloch durch Abgabe eines Eichenstammes aus ihrem Wald, auch die Nachbargemeinden stifteten Holz und Geld.
Nur 40 Jahre konnte die lutherische Kirche ihrem eigentlichen Zwecke dienen. Seit der Vereinigung der lutherischen und reformierten Gemeinde 1821 wurde sie nicht mehr benutzt und mußte später not­gedrungen verkauft werden. Seitdem diente sie als Magazin ( heutige Bücherei )

5. Der Bau der reformierten Kirche
In schwerer Zeit, als unser Vaterland durch die napoleonischen Kriege heimgesucht wurde, mußte die bettelarme „reformierte“ Gemeinde das große Wagnis unternehmen, sich eine neue Kirche zu erbauen. Von 1792 an hat die Gemeinde 20 Jahre hindurch gesammelt und brachte auf diese Weise in Nußloch 888 Gulden, in Maisbach, das immer treu mithalf, 146 Gulden zusammen. Immer wieder wurden Bittschriften an die Behörde gerichtet, damit sie durch allgemeine Kollekten beisteuere. Männer der Gemeinde gingen durch Städte und Dörfer und sammelten von Haus zu Haus, ein gebürtiger Nußlocher namens Ullrich sammelte sogar in Amerika und brachte 540 Gulden zusammen, die Gemeinde Nußloch erklärte sich bereit, 600 Gulden beizusteuern.
Als sich die Genehmigung zum Beginn des Kirchenbaues lange hinauszögerte, weil immer noch nicht genug Geld beisammen war, setzte die evangelische Gemeinde 1811 eine von allen Gemeindegliedern unterschriebene Erklärung auf, in der es heißt, „daß sie den Bau zu unternehmen einstimmig gesonnen ist, und rücksichtlich der Kosten einer für den andern zu haften verspricht“.
Endlich war es so weit. Anfang 1812 wurde der Bauunternehmer Abel von Heidelberg, der das billigste Angebot eingereicht hatte, mit der Ausführung beauftragt. Die alte baufällige Kirche wurde abgerissen, ebenso das alte Haus, das auf dem Kirchenbauplatz stand. Im Mai, als der Bau in die Höhe wuchs, entschloß sich die Gemeinde plötzlich, einen Dachreiterturm aufsetzen zu lassen. In der Erklärung, die alle unterschrieben, heißt es: „,… wenn wir oder unsere Nachkömmlinge durch Gottes Segen so kräftig werden, ein eigenes Geläute anschaffen zu können“. Jeder einzelne verpflichtete sich zu einem freiwilligen Beitrag, die Sammellisten sind heute noch erhalten. Die Nachbargemeinden steuerten je einen Stamm Holz bei, der Dachreiter wurde, ohne Genehmigung abzuwarten, gebaut.
Im Oktober wurde die Kirche fertig. Sie kostete mit dem Dachreiter 6584 Gulden. Am 10. Januar 1813 konnte die Einweihung feierlich begangen werden, ein Freudentag für die hart ringende Gemeinde! Im Herbst des gleichen Jahres ging noch einmal eine Liste durch die Gemeinde, worin sich die Gemeindeglieder zu einem jährlichen Beitrag verpflichteten, um ein Darlehen von 1500 Gulden verzinsen zu können. Und dies alles geschah zu einer Zeit, da die evangelische Gemeinde keinen eigenen Pfarrer hatte, sondern von Walldorf aus mitversehen wurde. Es ist erstaunlich, welchen Eifer, welche Selbständigkeit und Tatkraft die damaligen Kirchenvorsteher und, die Gemeinde bewiesen! Je mehr die Kirche in Not war, desto mehr durfte sie die Liebe ihrer Glieder erfahren

6. Die Union
Im Jahre 1821 vereinigten sich im Großherzogtum Baden die lutherische und die reformierte Kirche. Seitdem besteht die „Ver­einigte evangelisch-protestantische Landeskirche Baden“. In Nußloch wurde die größere der beiden Kirchen, die reformierte, zur gemein­samen Kirche erwählt. Die schwere Schuldenlast der reformierten Gemeinde ging nun auf die Gesamtgemeinde über. Immer wieder mußten Bittschriften an die Kirchenleitung gerichtet werden, da die Sorge um die Aufbringung der Zinsen und andere Verpflichtungen die Gemeinde schier erdrückten. In einer dieser Bittschriften schreibt der damalige Pfarrer Krumbholtz, der von Leimen aus Nußloch als Filialgemeinde mit bediente: „Diese Kirchengemeinde hat ihre Kirche nebst innerer Einrichtung und Turm, Schulhaus usw. früher größten­teils aus eigenen Mitteln durch dargebrachte Opfer angeschafft und war bisher ernstlich bemüht, sie in gutem Stand zu erhalten.“ ­Der Verkauf der ehemaligen lutherischen Kirche (1826) erbrachte 500 Gulden, die zur Schuldentilgung verwendet wurden. Aber die Schuld betrug immer noch 600 Gulden und konnte in den nächsten 7 Jahren nur um 25 Gulden verringert werden, ein Zeichen dafür, wie mühselig sich die Gemeinde durchschlagen mußte.
Da geschah etwas Wunderbares. Der 10. Januar, der schon 1813 als Tag der Kircheneinweihung ein Freudentag gewesen war, wurde auch im Jahre 1833 ein Tag des Jubelns und des Dankens. Der Gläubiger, Herr Kilian Beger in: Heidelberg, erließ der evangelischen Gemeinde im Einverständnis mit seinen Kindern die Restschuld vom Kirchenbau in Höhe von 575 Gulden! Es muß ein Aufatmen durch die Gemeinde gegangen sein. In einem begeisterten Dankschreiben wurde der hochherzige Stifter um seiner Wohltat willen gepriesen.
Doch alle Sorgen waren nicht behoben. Schon 1840 war eine große Reparatur in der Kirche nötig. Wieder mußte die Gemeinde die Mittel selbst aufbringen.

7. Die Wiederherstellung der evangelischen Pfarrei Nußloch
Fast 100 Jahre hindurch hatte die evangelische Gemeinde Nußloch keinen eigenen Pfarrer gehabt. Sie wurde in dieser Zeit zuerst von Walldorf, später von Leimen aus bedient. Je mehr die Gemeinde wuchs, desto unhaltbarer wurde dieser Zustand. Endlich sollte doch der sehnliche Wunsch der evangelischen Gemeinde Nußloch in Er­füllung gehen: Es wurde eine eigene Pfarrei errichtet. Ein Bauernhaus, das 1818 erbaut war, wurde gekauft und als Pfarrhaus hergerichtet. 1847 zog Pfarrer Karl Eichhorn hier ein. Aber die Gemeinde hatte wieder eine Schuldenlast von 5000 Gulden. Zwar kamen erfreuliche Unterstützungen von Seiten der Pflege Schönau und durch eine Landeskollekte. Auch der Gustav-Adolf-Verein schenkte 250 Gulden. Aber das meiste mußten doch die Gemeindeglieder durch freiwillige Spenden und durch Umlagen aufbringen: über 3500 Gulden, und das in einer Zeit allgemeiner bitterer Not. Der Hagel hatte in einem Jahr die Tabakfelder zerstört, eine Überschwemmung der Allmendäcker hatte dort die Ernte vernichtet.
Zudem war die Anschaffung einer Orgel nötig. Die bisherige versagte völlig, sodaß im Gottesdienst oft ohne Orgel gesungen werden mußte. In Schwetzingen wurde 1858 für 400 Gulden eine gebrauchte Orgel gekauft und für 300 Gulden repariert. Auf den Dachreiterturm kamen 3 kleine Glocken, damit hatte die Gemeinde zum ersten Mal nach der „Kirchenteilung“ ein eigenes Geläute. Am ersten Weihnachtstag 1876 zersprang die größte Glocke. Sie mußte umgegossen werden.
Im Jahre 1881 wurde der evangelische Kirchenchor gegründet, der seitdem Jahr um Jahr .Gottesdienste und Feiern durch seinen Gesang bereicherte. Hohe Verdienste erwarb sich vor allem der Chorleiter Philipp Kensch, der nahezu 40 Jahre den Kirchenchor dirigierte und zu großen Leistungen führte.
Im Lauf der Jahre hatte die seinerzeit gebraucht gekaufte Orgel so stark Schaden gelitten, daß sie nicht mehr benutzt werden konnte. 1887 ließ sich die evangelische Gemeinde durch die Orgelbauanstalt Voit und Söhne in Durlach eine neue Orgel bauen. Die Kosten von 7000 Mark trug wieder die Gemeinde selbst. 1891 war wieder eine größere Renovierung der Kirche nötig. .
Und schon bald erwuchs eine neue Aufgabe, die wiederum an die Opferwilligkeit der Gemeinde große Anforderungen stellte: Am Alten Berg wurde 1896 eine Krankenschwesternstation für 10000 Mark. erbaut. Durch Sammlungen und Umlagen wurden die Mittel aufgebracht, obwohl damals das Geld sehr knapp war. Von jetzt an konnten jeweils 2 Diakonissen des Mutterhauses Karlsruhe- Rüppurr ihren segensreichen Dienst in den Häusern unserer Gemeinde tun.

8. Kirchenerweiterung und Turmbau
Nußloch hatte sich erheblich vergrößert. Um die Jahrhundertwende 1900 zählte man 1750 Evangelische und 1220 Katholiken. Die evangelische Kirche war viel zu klein geworden, auch an gewöhnlichen Sonntagen reichte der Platz nicht mehr aus. Der Dachreiter war baufällig geworden.
Da entschloß sich die Gemeinde, neue Opfer auf sich zu nehmen, um die Kirche zu vergrößern und einen Turm zu bauen. Man gründete einen Turmbauverein. 10 Jahre lang sammelten Mädchen und Frauen unermüdlich, indem sie jeden Sonntag in den Häusern 5 Pfennig oder 10 Pfennig erhoben. So kamen jährlich etwa 1000 Mark zusammen. Endlich konnte 1901 die Erweiterung der Kirche und der Turmbau durchgeführt werden. Pfarrer Weiser setzte sich tatkräftig ein.
Für den hohen Turm, der jetzt erstellt wurde, wären die alten Glocken zu klein gewesen, deshalb ließ man bei Meister Hamm in Frankenthal 3 neue Glocken gießen. Das neue Geläute kostete 6585 Mark. Am 2. Oktober 1901 wurde es feierlich eingeholt und am 6. Oktober geweiht. Dieses Geläute (d – fis – a) hatte einen vor­züglichen Klang und wurde darum in der ganzen Umgebung bekannt.
Bald war auch die Kirche fertig und konnte am 16. Januar 1902 eingeweiht werden. Der Großherzog hatte die Kanzel gestiftet, die Großherzogin eine kunstvoll gestickte Bekleidung für Kanzel, Altar und Taufstein. „Herrliche Stiftungen, an denen sich mit wenigen Ausnahmen die ganze Gemeinde in frommem Eifer beteiligte, haben des Herrn Haus und Altar reichlich geschmückt“, sagte damals Pfarrer Weiser in seiner Festansprache.

9. Vom ersten Weltkrieg bis 1950
Im ersten Weltkrieg verlor die evangelische Gemeinde 84 Männer und Jungmänner, deren Namen die 1922 in der Kirche errichtete Gedenktafel späteren Geschlechtern überliefert. Im ganzen Ort waren 143 Gefallene zu beklagen.
Die Glocken sollten auch abgenommen werden, aber die energischen Bemühungen, dieses Geläute um seines musikalischen Wertes willen zu retten, führten zum Erfolg: Die evangelische Gemeinde, ­wie auch die katholische Gemeinde, durften ihre Geläute behalten.
Im Jahre 1921 übernahm die Kirchengemeinde eine neue Aufgabe: die Kinderschule. Schon 1847 hatte Pfarrer Eichhorn eine Kinder­bewahranstalt gegründet und eine „Kinderlehrerin“ aus Nonnenweier angestellt. Aber schon nach 5 Jahren wurde diese Einrichtung wieder aufgegeben. Später bestand eine Zeit lang ein privater Kindergarten in einem Wohnhaus auf dem Alten Berg. Seit 1895 scharte die aus Sandhausen stammende Schwester Lenchen Schneider die Kleinkinder um sich. Das bedeutete vor allem für viele Frauen, die in der Zigarrenfabrik arbeiteten, eine wesentliche Erleichterung. 1927 kaufte die Kirchengemeinde von der Gemeinde Nußloch den jetzigen großen Kinderschulplatz als Bauplatz für ein Gemeindehaus. 1930 wurde die Kirche instandgesetzt und ausgemalt, 1935 das Pfarrhaus gründlich renoviert, 1938 der Außenverputz der Kirche erneuert.
Der zweite Weltkrieg und seine Folgen brachten viel Not und Herzeleid über unsere Gemeinde. Das schöne Geläute wurde diesmal nicht verschont. Am 9. April 1942 wurden die beiden größeren Glocken abgenommen. Damals dachten viele, was sie nicht aussprechen durften: jetzt‘ ist der Krieg verloren. 3 Jahre später, in den Ostertagen 1945, wurde Nußloch besetzt. Nach dem Einzug der Amerikaner gingen viele Häuser in Flammen auf, darunter das Nußlocher Rathaus. Dabei wurde das Glöcklein, das früher lange Jahre die evangelische Gemeinde zum Gottesdienst gerufen hatte, zerstört. Durch Gottes gnädige Bewahrung blieben unsere kirch­lichen Gebäude; auch die der katholischen Gemeinde, verschont.
Die Nachkriegsjahre brachten noch mehr Not als die .Kriegsjahre selbst. Eines blieb aber erhalten in all den Wirren und Zusammenbrüchen: das Wort von Christus mit seinem Troste und seiner Kraft.
Anfang 1946 mietete die Kirchengemeinde im Gasthaus zur „Pfalz“ einen Saal, der als Gemeindesaal hergerichtet und reich­lich benutzt wurde für Konfirmandenunterricht, Männer-, Frauen-, ­und Jugendabende und für die Singstunden des Kirchenchors. In strengen Wintermonaten konnte dort sogar Gottesdienst gehalten werden, und in der Zeit, als die Kinderschule umgebaut wurde, konnten Schwestern und Kinder dort eine Notunterkunft finden.
Im Sommer 1947 wurde der seit langem nötige Umbau der Kinder­schule begonnen. Es war ein außerordentlich mühsames Unternehmen, weil in jener Zeit für Geld fast gar nichts zu haben war. Das Zement­werk lieferte den kostbaren Zement, die Gemeinde Nußloch dankens­werter Weise das Bauholz. Erst nach der Währungsreform konnte der Innenausbau vonstatten gehen. Das bedeutete, daß die Gemeinde nun große finanzielle Opfer bringen mußte. Der „Freundeskreis der Kinderschule“ opferte monatliche Beiträge, der Frauenbund stellte alle seine Einnahmen zur Verfügung, mehrere Gemeindeglieder gewährten zinslose Darlehen, es verging fast kein Sonntag, an dem nicht im Gottesdienst für eine Spende, gedankt werden konnte. Die Gemeinde bewies, daß sie ihre Kinderschule liebt.
Am 14. November 1948 fand die feierliche Einweihung statt.. Die Freude und die Dankbarkeit der ganzen Ge­meinde kamen zum Ausdruck in einem herrlichen Gartenfest, das am letzten Augustsonntag 1949 auf dem Spielplatz gefeiert wurde.

Wenn man die Geschichte unserer evangelischen Gemeinde betrachtet, so muß man bekennen:
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!
Gott gebührt der Dank, daß er unsere Gemeinde aus tiefstem Elend herausgeführt hat.

Was wir aus der Vergangenheit lernen können, ist vor allen Dingen ein Dreifaches:

  1. In der bittersten Not schloß sich unsere Gemeinde immer fester zusammen. Dieses Erbe gilt es zu bewahren: Ein starkes Band der Gemeinschaft soll uns als evangelische Gemeinde zusammenhalten.
  2. Der unermüdliche Opfersinn und der tatkräftige Eifer unserer Väter sind uns für alle Zeiten ein verpflichtendes Vorbild.
  3. Unsere Gemeinde war immer auf die Unterstützung anderer Gemeinden angewiesen und hat sie reichlich erfahren. Wir müssen darum ganz besonders dafür Verständnis haben, wenn heute arme Gemeinden unsere Hilfe erbitten. Glaubensbrüder haben uns geholfen, Glaubensbrüder sollen unsere Hilfe erfahren.
Kirchen-Renovierung
Die Renovierungsgeschichte unserer Kirche von 2004 bis 2012

Eine umfassende Erneuerung und Restaurierung der Kirche war lange geplant.
Die Umsetzung begann 2004 mit der Turmrenovierung. Schäden an der Außenfassade wurden behoben und sie erhielt einen neuen Anstrich. Der Glockenstuhl wurde umgebaut und die Schallläden erneuert. Diese Arbeiten konnten bereits im Januar 2005 abgeschlossen werden.


Ab 2009 erfolgten weitere Baumaßnahmen.
Zunächst war die Trockenlegung der Außenmauern der Kirche nötig.      


Im Garten fanden der Technikraum für die neue Erdwärmeheizung und eine Garage ihren Platz.

Ein Anbau ans Kirchenschiff entstand. Mit ihm wurde der Wunsch nach einem Raum für Begegnungen nach dem Gottesdienst, einer kleinen Teeküche,  sanitären Anlagen, einem Lagerraum und Garderoben verwirklicht.


Im Kirchenraum erhielt der Dachboden eine neue Isolierung. Der Bogen zwischen Kirchenschiff und Altarraum musste mit Metallhalterungen verstärkt werden.

Beide Emporen wurden verkürzt. Diese Maßnahme bewirkte eine Öffnung des Raumes zum Altar hin und zu den beiden Buntglasfenstern.

Unter den neuen Keramikfliesen in Kirche und Anbau wurde eine Fußbodenheizung verlegt.


Nachdem der gesamte Innenraum verputzt  und der Farbanstrich nach historischen Vorlagen erfolgt war, erstrahlte die Kirche in neuem Glanz.


Im September 2012 war die Innenrenovierung abgeschlossen und am 30.09.2012 konnte die Kirche in einem großen Festgottesdienst neu eingeweiht werden.


Unsere Leitsätze
Das Leitbild der evanglischen Kirchengemeinde Nußloch

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offene Kirche
Unsere Anspruch: eine Kirche bei der Sie willkommen sind!

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